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Nov. 2nd, 2011

Für einen ganz speziellen Leser

Lieber W.,

ich gratuliere Dir dazu, daß Du mein Livejournal gefunden hast und die Energie aufgebracht hast, bis zu den Einträgen vom Mittelaltermarkt in Friedberg zurückzublättern. Danke, daß ich mich ein weiteres Mal davon überzeugen durfte, daß Du ein überproportionales Interesse an meiner Person hast.

Ich bleibe dabei, daß der Rückschluß von den Bildern von Heinz und Ulrike auf meine Identität nur einem sehr eingeschränkten Personenkreis möglich ist. Du gehörst zufällig dazu.

Ich werde die öffentlichen Einträge da lassen, wo sie sind. Weil sie nur die Spitze des Eisberges sind. Weil Dein Hinweis mir zeigt, daß meine Eltern nicht die einzigen sind, die so tun, als liefe ich mit einem Schild "ich brauche dringend Hilfe" herum. Genau davon will ich aber weg. Und es wird mir nicht helfen, meine Sorgen weiter in mich hineinzufressen.

Ich wehre mich entschieden gegen den Vorwurf, daß meine Beschreibung der Diskrepanzen zwischen meinen Eltern und mir Rückschlüsse auf mein Verhalten im betrieblichen Bereich zuläßt. Ich wage zu behaupten, daß ich dafür viel zu harmoniesüchtig - und auch wieder zu unsicher - bin.

Vielen Dank für Dein Verständnis.

Mar. 2nd, 2011

Gedanken zum Tage

Ich solle ja aufpassen, daß ich mich - sollte ich wieder an der Uni arbeiten - nicht überfordere, hieß es vorgestern.

Heute morgen nach dem Aufstehen habe ich mich gefragt, wie ich denn am Wochenende nicht hätte überfordert sein können. Ich habe so viel gegessen, bin so oft einfach nur herumgelaufen anstatt mich irgendwo hinzusetzen und mit den Leuten zu reden - und das sowohl auf der Burg als auch am Samstagabend bei Astrid. Am Samstagmittag war ich so aufgebracht und genervt, daß ich mich nicht zum Essen in den Speisesaal getraut habe, sondern stattdessen nur schnell das Essen "eingesammelt" und es auf dem obersten Treppenabsatz verzehrt habe. Meinen Heulkrampf sollte schließlich keiner sehen, weil ich nicht darüber reden wollte, mich dafür schämte.

Stellenweise hätte ich auch gern einige Leute gefragt, warum sie so viel belangloses Zeug reden (wir haben am Abend "Werwolf" gespielt), wieso sie diesen "Sozialkram" hinbekommen anstatt davon genervt zu sein.

Ich würde ja gern wieder anderen bei der Lösung von Problemen helfen. Aber ich habe mich kein einziges Mal getraut, einem Vortragenden eine Frage zu stellen, selbst dann nicht, als ich dachte, tatsächlich inhaltlich etwas beizutragen zu haben.
(Da ich wie viele andere nicht mit allen Themen vertraut bin, saß auch ich bei vielen Vorträgen wie der sprichwörtliche Ochs vor'm Berg. Sowas finde ich aber nicht so schlimm, wie einen Vortrag zu hören, zu dessen Thema man ein Halbwissen hat und bei dem die gegebene Information nicht einsortiert werden kann, ohne dumme Fragen zu stellen, wofür eigentlich kein Raum ist, weshalb man das Fragenstellen dann läßt.)

Feb. 28th, 2011

Und wenn ich auch wandle im finsteren Tal ...

Wie geht dieses Gedicht weiter?
Mir fällt es gerade nicht ein, aber jemandem von Euch vielleicht?

Habe heute morgen ein ernsthaftes Gespräch über meine Zukunft geführt.
Einem kleinen Sonnenstrahl folgte dann ein wackelnder Zeigefinger, allerdings auch völlig zu Recht.
Ich werde wohl auch hier eine Probezeit haben - also auch genau darüber nachdenken dürfen/müssen, ob mir das Umfeld paßt etc.

Die Burg Breuberg war heute morgen komplett im Nebel verschwunden ...

Bilder gibt's davon auch, die lade ich nachher noch hoch.

Ich habe eine Freikarte zur Cebit gewonnen, aber das Passwort zur Registrierungsseite vergessen. Und konnte mich gestern auch nicht erinnern, welche Adresse ich für die Registrierung verwendet hatte. *schäm*

Ich hab immer noch keine Ahnung, ob ich hinfahren soll ... am Freitag bin ich ja auch wieder unterwegs und Abendtermine stehen diese Woche auch einige an.

Der Architekt des Studentenwerks hat letzte Woche die Elektriker angewiesen, die Kabel zwischen der AFTHD-Funkstation und den Antennen auf dem Wasserturm zu zerschneiden, nachdem er mir (und nur mir!) den Termin eine Stunde im Voraus ankündigte.
Der Wasserturm soll mittelfristig, also in spätestens zwei Jahren weg.
So sah er vor ein paar Jahren aus, als wir die neue Kurzwellenantenne anbrachten (mit tatkräftiger Hilfe der Bergwacht):



Schade um den schönen Standort. Aber die Uni will es wohl nicht anders.

Feb. 20th, 2011

Zufällig schneller gewesen?

Wie angekündigt, gab es am Samstag (also gestern) noch eine Nachbesprechung der Fragebögen. Nein, eigentlich war es sogar noch mehr.

Meine Mutter hatte sich quasi parallel zu mir zum Thema Asperger-Syndrom umgehört und von einer Bekannten, die wiederum einen darauf spezialisierten Psychologen kennt, ziemlich vieles an Infos zugeschickt bekommen. Und von einer weiteren Bekannten bekam sie das Buch "Supergute Tage" ausgeliehen, das ich nun gerade lese. Sie selbst hat den recht abgehakten Schreibstil des Buches nur bis knapp über die Hälfte durchgehalten.

Ich möchte lieber nicht wissen, wie es ausgegangen wäre, wenn ich nicht mit den Fragebögen schneller gewesen wäre. Vermutlich würde dann die "Kümmerei" erst recht nicht aufhören.

Ich habe dann die Chance genutzt und meinerseits meine Mutter ausgefragt. Dabei kam dann heraus:
- ich war nie besonders bewegt, wenn ich mich in der Kinderkrippe von ihr verabschieden mußte oder sie mich abholte
- gern gekuschelt habe ich wohl auch nicht
- meine motorischen (Un-)Fähigkeiten waren für gewisse Außenstehende so irritierend, daß ich beinahe nicht mit 6 eingeschult worden wäre und vor oder nach der Reifeprüfung einige Wochen zur Spieltherapie mußte
- der Wohnungswechsel mit etwa 2 Jahren war für mich sehr irritierend, weil es plötzlich einen Garten gab und nicht nur gerade Oberflächen zum Gehen
- auch die Türschwellen in der neuen Wohnung hätte ich sehr vorsichtig be- und übertreten

Abgesehen davon, daß das natürlich alles gerade "paßt", frage ich mich trotzdem, ob ich das so hätte wissen wollen.

Ein normales Leben zu führen wäre irgendwie besser.
Aber das habe ich ja noch nie so wirklich getan oder nicht, ohne mir dabei im übertragenen Sinne Schrammen zu holen.

Feb. 18th, 2011

"Du kannst nicht schwimmen, aber Du springst immer wieder ins Wasser"

Gestern abend habe ich meine Mutter überreden können, mit mir zusammen am Telefon die Elternfragebögen aus Freiburg auszufüllen. Eigentlich waren die fast zwei Stunden Telefonat nicht genug, um alles zu erzählen, was es da zu erzählen gegeben hätte, also werden wir das Gespräch am Wochenende sicher fortsetzen.

Etwa 10 Minuten hatte ich auch mal meinen Vater am Telefon, der meine Mutter in einem bestimmten Detail korrigierte.

Ich habe eine DIN A4-Seite mit zusätzlichen Notizen gefüllt.
(Und überlege, ob ich sie abtippe oder so aufhebe.)

Immer wieder kamen zwei Äußerungen:
- "Wir fanden Dich nicht besonders außergewöhnlich, Du warst eben so und wir haben Dich so akzeptiert."
- "Du warst überhaupt nicht belastbar. Das haben wir immer gedacht."

Wir waren schon im letzten Viertel des 2. Fragebogens angelangt, als meine Mutter mein bisheriges Leben mit dem in der Überschrift zitierten Spruch zusammenfaßte:
"Wir haben - in der Kinderzeit - nie gedacht, daß Du Abitur machen würdest, das war quasi unvorstellbar. Aber Du hast es getan. Wir dachten nicht, daß Du die Ausbildung und das Studium schaffst, aber Du hast beides abgeschlossen - mit nicht so guten Noten, naja, das ist halt so. Du hattest als Kind Probleme mit dem Rhythmus - und jetzt tanzt Du so schön. Deine schlechte Motorik war immer ein Thema, Du hattest auch keine gute Feinmotorik - und jetzt nähst Du so schöne und große Sachen, mit der Hand. Du hattest immer Probleme im sozialen Bereich - und suchst Dir doch immer wieder neue Wirkungskreise, wo Du mit anderen Menschen zusammenkommst. Du kannst nicht schwimmen - aber Du springst immer wieder ins Wasser. Warum kannst Du keine Kraft und kein Selbstvertrauen daraus ziehen?"

Feb. 15th, 2011

Vertröstet

Eigentlich hatte ich damit gerechnet, heute mittag mit einem Ergebnis vom Neurologen nach Hause zu kommen.

Tatsächlich habe ich nur ca. eine halbe Stunde lang den Altersdurchschnitt im Wartezimmer (der bei mind. 60 Jahren gelegen haben dürfte) gesenkt, dann fast eine weitere halbe Stunde die Einrichtung des Behandlungszimmers bestaunt (merke: Expressionismus kann durchaus auf dem Niveau von 10jährigen Schülern sein) und anschließend in zehn Minuten dem Arzt meine Symptomatik geschildert, um bzgl. des EEGs auf den 3. März vertröstet zu werden.

Dann soll ich auch ordentlich Zeit mitbringen, da nach einer Pause die Auswertung gemacht werden soll.

Laut dem Arzt müßte man meine Symptome auf dem EEG sehen. Da ich nicht dazu kam, Fragen zu stellen, habe ich auch nicht gefragt, was wäre, wenn das EEG unauffällig wäre.

Feb. 13th, 2011

Aber es hat doch alles mal einen Sinn gemacht ...

Am Mittwochabend in der Weststadtbar, Xing-Unternehmertreffen. Nein, ich bin keine Unternehmerin, erhalte aber als Mitglied der Regionalgruppe die Einladungen, habe darüber einige Leute kennengelernt und mag die Atmosphäre. Wie jeden Mittwoch gibt es ein Buffet zum Festpreis, mit dem man gut und gern doppelt soviele Leute versorgen könnte ...

Da ich bereits einige Male dort war, kennen der Organisator wie auch der Inhaber der Bar mein Gesicht und begrüßen mich entsprechend. Ist ja auch gar nicht so falsch, sich die Gesichter regelmäßiger Gäste zu merken ...

Noch am Tag zuvor hatte ich überlegt, ob ich hingehen sollte oder nicht. So ein richtig gutes Gefühl hatte ich nicht. Und dann habe ich mir doch einen Ruck gegeben und mich angemeldet. Nur um am Mittwochvormittag wieder zu grübeln: soll ich oder soll ich nicht?
Als ich dann am späten Nachmittag las, daß eine bestimmte Bekannte auch kommen würde, entschied ich mich dann doch, hinzugehen.

Etwa eineinhalb Stunden nach meiner Ankunft stehe ich mit ein paar Herren an einem Stehtisch (die Sitzplätze waren bei meinem Eintreffen schon alle belegt), tausche Visitenkarten aus und komme dabei nicht umhin, auch einen Teil meines beruflichen Werdegangs zu erzählen. Irgendwie wird daraus dann ein Einzelgespräch mit einem der Herren, der schon kurz nachdem ich mich vorgestellt hatte, eine arg flapsige Bemerkung gemacht hatte. Warum ich denn keinen Job hätte? - Ja, wegen meiner schlechten Leistungen vielleicht und wegen meines Alters, druckse ich herum. - Wie alt ich denn wäre? - Fast 33, sage ich. - Oh, das ist aber eine Hausnummer.
Schon sein Ton verrät, daß er mich damit gedanklich "abgehakt" hat. Wie das Gespräch weiterging, weiß ich nicht mehr. Ich glaube, ich habe dann nicht mehr wirklich mit ihm geredet.

Von einer anderen Gesprächspartnerin, mit der ich ebenfalls Visitenkarten tauschte, kam am nächsten Tag eine Nachricht mit u.a. dem Text "Darf ich Ihnen etwas sagen? Ich weiß gar nicht, ob ich das tun sollte ..."
"Nur zu!" schreibe ich zurück, noch guten Mutes.
Aber die Antwort bleibt - bislang - aus.
Und ich werde nervös, was ich denn falsch gemacht hätte.
Sie stand zu dem Zeitpunkt mit einer anderen Bekannten von mir zusammen, als ich mich anschickte, mich zu verabschieden. Bin ich in das Gespräch zu sehr hineingeplatzt?
Habe ich einen anderen Fehler begangen, der mir nicht aufgefallen ist?
Die andere Bekannte hatte eine Frage gehabt, auf die ich sie bei der Verabschiedung noch einmal anspreche. Sie sagte, sie würde sich melden. Passiert ist das aber in den folgenden 2 Arbeitstagen nicht.

Es kann witzig sein, über den eigenen Hang zum Fettnäpfchentreten zu witzeln, solange sich aus eben dieser Ungeschicklichkeit keine ernsthaften Konsequenzen ergeben, die man vorher nicht einschätzen konnte. :/

Letzten Endes saß ich am Donnerstagabend in meiner Wohnung und überlegte, warum ich denn eine so beschissene Biographie habe. Und erinnere mich dann daran, daß ja alles für mich irgendwann mal einen Sinn gemacht hat. Ich wollte die Ausbildung. Ich wollte auch das Studium. Rein theoretisch hätte ich nebenher arbeiten und wichtige Praxiserfahrung sammeln können. Praktisch war ich dazu schon im ersten Semester viel zu ausgelaugt, habe es aber ignoriert. Nur einmal noch hatte ich einen Minijob an der Uni, bei dem ich etwas programmieren sollte - und wieder auf der Hälfte steckenblieb, das Projekt nicht richtig beendete, weil ich während der Arbeitszeit viel zu sehr mit anderen Gedanken beschäftigt war.

Dazu, mir für ein potentielles weiteres Vorstellungsgespräch passende Sätze auszudenken, die meine Motivation in ein besseres Licht stellen, bin ich noch nicht gekommen. Ziemlich sicher werde ich diese aber üben und wohl auch mit jemandem anderen mal einer Tauglichkeitsprüfung unterziehen müssen.
Mir macht Angst, daß eine derartige Beschönigung das Problem mit meinem Lebenslauf ja trotzdem nicht aus der Welt schafft.

Feb. 12th, 2011

Falsche Empfindlichkeit

Dem "großen Krach" mit meiner Mutter ist 2 Tage später noch ein Telefonat gefolgt, das mir wieder das Gefühl gab, gegen eine Wand zu reden. Vielleicht hatte meine Mutter auch einiges vom Gesagten tatsächlich nett gemeint; aber es kam bei mir nicht so an. Nicht mal ansatzweise.
Natürlich akzeptiere ich sie weiterhin so, wie sie ist, und vermutlich werde ich des lieben Friedens willen auch nach Zürich und Weimar mitfahren. Vielleicht reiße ich mir dann zu einem unpassenden Zeitpunkt wieder die Lippen auf, wer weiß?

Erschreckend ist jedoch, sich mit einem Bekannten über das eigene Selbstbild zu unterhalten und dann zu erfahren, daß man selbst mal wieder viel zu empfindlich war.
Als ob jedes Signal von außen nur als negativer Druck empfunden wird - und wenn nicht gleich, dann ein bis zwei Tage später.

Das dabei entstehende Sorgenspektrum ist durchaus vielfältig:
- Eine angekündigte Mail kommt nicht? Woran kann es liegen? Was habe ich schon wieder falsch gemacht? Warum darf ich es nicht erfahren?
- Hausärztin findet den Ferritinwert zu niedrig? Wie kommt sie darauf, daß das für mich ein Problem ist? Warum kann man das nicht anders lösen?
- Fallmanager ruft trotz Mail nicht zurück? Wieso nicht? Was habe ich falsch gemacht und warum erklärt er mir das Protokoll nicht?
- Ein anderes Telefonat bleibt auch aus. Habe ich mich über heiße Luft unterhalten? Hätte ich am Mittwoch besser daheim bleiben sollen?

Mir scheint immer öfter, daß die Welt da draußen nicht nach meinem Rhythmus funktioniert. So eine Ahnung diesbezüglich war ja schon immer da. Wären diverse Dinge auch schiefgelaufen, wenn ich mich auf mich selbst - und auch auf die anderen - besser eingestellt hätte?

Feb. 7th, 2011

Ein ganz normaler Sonntag?

Ich muß irgendwann zwischen sieben und acht wachgewesen sein.
Fakt ist, daß ich erst eine ganze Weile später wirklich aufstand, als ich schon Geräusche im Treppenhaus gehört hatte.
Meine Mutter war auch schon in der Küche (wegen der Tabletten mein erster Anlaufplatz) und verkündete als erstes, daß sie - entgegen der Ankündigung am Vortag - nicht vormittags backen würde, sondern erstmal putzen wolle. Ursprünglich hatte sie vorgesehen, gleich morgens zu backen, weil sie momentan mal wieder kohlenhydratarm essen will und deshalb in der ersten Hälfte des Tages von ihrem Gebäck kosten wollte. So hatte ich mich dann auch gedanklich darauf eingestellt, zum Frühstück oder kurz danach das Ergebnis probieren zu können.
Ich rührte dann meinen Teig an, stellte ihn auf den Boden (mit Fußbodenheizung) in der Ecke des Eßzimmers, wie üblich. Bot dann meine Hilfe beim Putzen an und zog auf Aufforderung hin die Betten ab. Zuvor hatte ich auch schon einen Rest vom Weihnachtsschmuck aus dem Ficus benjamini gefischt.
Nach 3x Kneten und dazwischen je 10 Minuten Ruhezeit sollte der Teig eine Stunde ruhen. Meine Mutter war irgendwo im Haus unterwegs.
Ich verzog mich guten Mutes an ihren Rechner, um ein bißchen Internetkram zu erledigen. Das nahm dann wegen der Lahmheit des Rechners deutlich mehr Zeit in Anspruch als eine knappe Stunde.
Bereits vorher war meine Mutter während meiner Teigvorbereitungen gelegentlich um mich herumscharwenzelt. Ob ich nicht den Teig zum Gehen in den Backofen stellen wolle? Ich hatte die größte Schüssel genommen, die es im elterlichen Haushalt gibt: eine transparente Plastikschüssel.
[Meine Eltern räumen mit schöner Regelmäßigkeit sämtliche Plastikbehältnisse in die Spülmaschine. Nicht wenige sind in den vielen Jahren verbogen - fast jedes Mal habe ich (mindestens 24 Jahre alt!) darauf hingewiesen, daß die Gefäße die hohen Temperaturen in der Maschine möglicherweise nicht vertragen. Ratet mal, wer sich anhören mußte, blöden Unsinn zu erzählen?]
Als ich meine Arbeit am Rechner beendet hatte, war meine Mutter gerade dabei, den Boden im Eßzimmer zu wischen. Es war Viertel nach zwölf; etwa eine Dreiviertelstunde zuvor hatte sie von unten gerufen, ob ich nicht meine Wäsche zusammenlegen wolle.
Die Schüssel mit dem Teig stand "natürlich" nicht mehr auf dem Boden. An der Tür stand der Nachbar, sodaß ich erstmal nix sagen konnte. Nachdem ich die Schüssel im Backofen gefunden und mich über die Temperatur der Schüssel (etwas über handwarm) gewundert hatte, verabschiedete sich der Nachbar auch bald. Ich fragte meine Mutter nun - in normaler Lautstärke, aber durchaus etwas gereizt -, was sie sich dabei gedacht habe, den Teig und die Plastikschüssel in den Backofen zu stellen und letzteren auch noch anzuheizen. Da hätte er doch gut gestanden. Sie hätte doch die Türen zur Küche und dem Wohnzimmer offengehabt und dort jeweils die Fenster geöffnet. Da hätte der Teig doch im Zug gestanden. Und so weiter ... ein Widerwort gab das andere, bis ich ihr nach einer halben Stunde in meiner Hilflosigkeit am liebsten die Stuhlkissen um die Ohren gepfeffert hätte. (Ich hab viel zu viel Bammel, um jemandem eine Ohrfeige zu geben.)
Stattdessen verzog ich mich in die Küche, schlug (fast) die Tür zu und brach in Tränen aus. Irgendwo mußten die aufgestauten Emotionen ja hin.
Nach dem Rezept hätte ich jetzt den Teig in zehn Teile teilen, alle ausrollen und fest wieder zusammenrollen müssen.
Ich rollte also das erste Teigstück aus und begann gerade, es aufzurollen, als mir erneut alles zuviel wurde. Daraufhin setzte ich die Teiglinge nur so auf das Backblech, wo sie nochmals 30 Minuten ruhen sollten und deckte sie mit einem Küchentuch ab. Währenddessen heizte der Backofen auf 220 Grad vor.
Gebacken habe ich die Brötchen letztlich bei 220 Grad 25 Minuten lang. Auf der obersten Schiene, weil wegen des Backofenthermometers kein anderer Platz im Backofen war.
Zwischendrin hatte ich meine Unterwäsche abgenommen (vor dem Mittagessen! Zeitrekord!), den Wäscheständer wieder in den Waschkeller geräumt, eine Maschine mit einem Teil der Bettwäsche angesetzt und auf den Leinen Platz geschaffen, indem ich die trockenen Sachen abgenommen hatte.
Die Brötchen waren letztlich ca. 30 Minuten, bevor mein Vater wieder den Backofen gebraucht hätte, fertig.
Während er in der Küche stand, brachte meine Mutter das Thema noch mal auf und forderte ein, daß ich ihr mit einer Umarmung zeigen sollte, daß ich mich wieder beruhigt hätte und ihr wieder besser gesonnen sei. Ich wies sie daraufhin, daß sie doch eigentlich wissen könnte, daß ich auf negative Kritik nicht sehr flexibel reagiere, schließlich kennt sie mich seit über 30 Jahren. Woraufhin sie sich zu der Aussage verstieg, daß man eben so mimosig werde, wenn man so lange allein lebe. (Ich habe mich dann eines weiteren Kommentars enthalten.)

Am Abend sitzen meine Mutter und ich vor dem Fernseher. Hindenburg, Teil 1. Meine Mutter muß jede Handlung kommentieren. Wann denn was passieren würde?
Ich bin noch immer noch nicht richtig runtergekommen, halte aber den Mund. Reiße mir stattdessen die Lippe auf und muß mich (natürlich!) mal wieder fragen lassen, ob ich denn wüßte, wie ich aussehe, wenn ich mir die Lippe aufreiße. Klar, wenn es mich seit ca. 15 Jahren nicht interessiert hat, wird es das jetzt tun ...
Später, im Bett, lese ich erst noch fast eine halbe Stunde, versuche dann einzuschlafen, habe aber nur Alpträume und wache etwa um zehn vor eins aus einer Art epileptischem Anfall wieder auf. Die um meine Unterschenkel flatternden Beine des Schlafanzuges triggern mich, ebenso wie die als viel zu groß und zu schwer empfundene Bettdecke. Der Bettbezug ist nicht mehr aus glattem Stoff, auch das trägt zum Triggern bei.
Ich schleiche einen Stock tiefer, zum Fernseher, irgendwie muß ich runterkommen.
Auf RTL läuft die Nachtwiederholung von Hindenburg 1, die ich schaue, ebenso wie die anschließende Dokumentation über den tatsächlichen Vorfall.
Dann ist es kurz vor drei, ich gehe zurück ins Bett und schlafe wie ein Stein, bis um 6.30 Uhr der Wecker klingelt.

Da ich heute morgen das Haus verlassen habe, bevor meine Eltern gehfertig gewesen wären (obwohl es Viertel vor acht war), ich mich somit von meiner Mutter verabschieden mußte, als sie noch im Bad war, vergaß ich in meiner Erregtheit die Tüte mit dem Bettlaken und dem Kopfkissenbezug, die ich neben meinen Rollkoffer gestellt hatte. Der Koffer war gestern abend schon ziemlich voll gewesen, als meine Mutter trotzdem noch die Bettwäsche drauflegte. Den Deckenbezug hatte ich gerade so noch unterbringen können.
Kaum, daß sich die Türen des Zuges nach Frankfurt geschlossen hatten, kommt eine SMS, was diese seltsame Verabschiedung denn hätte sein sollen. Und was sie jetzt bitte mit meiner Tüte tun sollen.
Anfang März will meine Mutter wieder nach Zürich fahren. Ich bin auch mit eingeplant, ebenso wie für die Feier des 80. Geburtstages meiner Oma eine Woche später. Ich dürfe "auf keinen Fall" nicht mitkommen.
Ich kann es mir nicht verkneifen, zurückzuschreiben, daß sie sich melden solle, wenn sie allein nach Zürich fahren will. Ich sehe keinen Sinn darin, mich vor meiner Schwester, meiner Nichte und meinem Schwager diesen Triggern auszusetzen.

Ich habe eine ganze Weile überlegt, ob ich das hierhin schreiben soll.
Es läuft bei uns nicht immer so, aber etwas exemplarisches hat diese Geschichte trotzdem.
Und in der Regel schlucke ich das dann einfach hinunter, weil mir ja nichts anderes übrig bleibt.

P.S.: Das Rezept bei Küchenlatein und ein Bild von meinen Brötchen, die übrigens sehr lecker sind:

Feb. 4th, 2011

Eine Frage der Kompetenz

Man möchte ja lieb sein. Immer. Oder fast immer, je nach Situation.
Da gibt man dann eben auch eher nach, als sich einer Diskussion zu stellen, weil man an diesen bequemen Weg gewöhnt ist. Schließlich war er ja immer zielführend. Zumindest hat die Harmonie nicht allzu sehr gelitten ...

Die Erkenntnis, daß man damit nicht gut fährt, kommt natürlich auch irgendwann.
Meistens dann, wenn es zu spät ist.
Wenn man das eigene Umfeld nicht mehr davon überzeugen kann, daß man mehr auf dem Kasten hat als sich nach anderen zu richten, die die wirklich wichtigen Aufgaben übernehmen? Als stumm und regungslos dazusitzen anstatt sich an einer Diskussion zu beteiligen?

So langsam sickert bei mir der Eindruck durch, das Physikstudium könnte gar keine gute Sache gewesen sein. So, wie es mich in meinen persönlichen Eigenschaften zurückgeworfen hat. Das hat was vom Verhalten eines Tropfsteines.

Andererseits kann man dasselbe über viele andere Entscheidungen sagen, die ich davor und danach getroffen habe.

Anscheinend gibt es immer einen, der eine oder mehrere davon in Frage stellen wird.

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